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900 Tausend Euro für drei neue Förderprojekte

Die Datenmengen, die derzeit im Kontext der Krankenversorgung dokumentiert werden und in elektronischen Krankenakten landen, sollen zukünftig für verschiedene Zwecke (Forschung, Qualitätssicherung, Zertifizierung, Benchmarking, etc.) weiter verwendet werden können. Prof. Dr. Hans-Ulrich Prokosch vom Lehrstuhl für Medizinische Informatik der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg und seine Arbeitsgruppe erhalten für aktuell anlaufende Forschungsvorhaben, die verschiedene Aspekte der Erschließung, Verarbeitung und Nutzung klinischer Daten bearbeiten, vom Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie (BMWI), vom Bundesministerium für Wissenschaft und Forschung (BMBF) sowie im Rahmen des FP7 EU-Förderprogramms fast 900 Tausend Euro Förderung für die nächsten drei Jahre.

Ziel des BMBF-geförderten und im Februar 2012 gestarteten Vorhabens „Integrated Data Repository Toolkit“ (IDRT) ist der Aufbau einer nachhaltig nutzbaren und datenschutzkonformen Plattform für die Integration heterogener Datenbestände in der klinischen und translationalen Forschung. Hierzu sollen bewährte, vorhandene IT-Architekturen an die Bedürfnisse der vernetzten medizinischen Forschung in Deutschland angepasst und zu einem nahtlosen Prozess integriert werden. Durch die Nutzung frei verfügbarer bzw. open source Komponenten wie i2b2 und Talend Open Studio sollen die Voraussetzungen für eine dauerhafte Community-Nutzung geschaffen werden. In diesem Projekt kooperieren die Erlanger Medizininformatiker mit Kollegen aus Göttingen und Leipzig sowie der TMF e.V.

Während die Erschließung strukturierter Daten bereits heute in verschiedenen Projekten auch des Lehrstuhls für Medizinische Informatik bereits erfolgreich demonstriert werden konnte, bleiben unstrukturierte Informationen z.B. aus Arztbriefen, Radiologie- oder Pathologiebefunden für Forschungszwecke bisher meist noch unerschlossen. Hier liegt der besondere Ansatzpunkt des BMWI-geförderten Projektes cloud4health (2012-2014), welches mittels Textanalyse/Textmining auch diese Datenquellen erschließen wird. Mit Technologien und Konzepten des Cloud Computing können dynamische Ressourcen für die dafür notwendigen rechen- und speicherintensiven Prozesse bereitgestellt werden. Darüber hinaus werden Dienste zur Weiterverarbeitung der Daten als Software-as-a-Service (SaaS) entwickelt, die den Aufbau von Registern, die Erkennung und Bewertung von Arzneimittelnebenwirkungen oder die Wirtschaftlichkeitsprüfungen für den Medizinischen Dienst ermöglichen. Mit dem Ziel des Aufbaus von „Trusted Clouds“ liegt besonderes Augenmerk des Projektes auf Aspekten des Datenschutzes, denn wer stellt schon gerne sensible Daten in eine globale Cloud? Für diese Aufgabenstellungen stellen die Erlanger Medizininformatiker die Expertise für medizinische Prozesse und Data Warehousing sowie mit dem Universitätsklinikum Erlangen auch ein Anwendungsfeld für die Evaluation der entwickelten Verfahren. Unter dem Konsortialführer Averbis GmbH (welche für das Projekt langjährige Erfahrungen und Werkzeuge zur automatisierten Textanalyse beisteuern) kooperieren in diesem Projekt weiterhin das Fraunhofer Institut SCAI (St. Augustin) mit umfangreichem Hintergrund im Cloud Computing und für Textanalyseverfahren, die TMF e.V. mit Ihrer Expertise in Datenschutzfragen sowie das Rhönklinikum als weiteres Evaluationsumfeld.

Im EU-Projekt eHealthMonitor (2012-2014) werden die Elektronische Krankenakte, aber auch weitere Datenquellen, wie z. B. tragbare Sensoren (Wearables) und das Internet selbst berücksichtigt. Ziel ist es, einen persönlichen eHealth Knowledge Space zu schaffen, der die Daten nicht nur aggregiert, sondern sie auch auf Basis der individuellen Präferenzen und Vorerkrankungen seines Nutzers selektiv und kontextsensitiv bereitstellt und interpretiert. Die besondere Herausforderung dabei liegt in der semantischen Erschließung dieser heterogenen und dynamischen Quellen sowie in der Koordination der Knowledge Spaces auf unterschiedlichen Granularitätsebenen. Am 22./23. März 2012 findet in Warschau zur operativen Projektinitiierung ein Workshop statt, in dem eine Feinabstimmung der Use Case Szenarien zwischen den insgesamt 9 Partnern aus 6 europäischen Ländern erfolgt.
"Unser Ziel ist es, mit all diesen Aktivitäten den Medizinern, die heute mit der täglichen Routinedokumentation im Krankenhaus bereits einen Großteil ihres Arbeitstages verbringen müssen, endlich den Schatz der damit elektronisch verfügbaren Daten auf einfache Art und Weise auch für Forschungszwecke verfügbar zu machen", erläutert Hans-Ulrich Prokosch, Professor für Medizinische Informatik an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg. "Sowohl die medizinische Forschergemeinschaft als auch die Pharmaindustrie verfolgen seit einiger Zeit mit großem Engagement das Ziel, den medizinischen Fortschritt durch neue innovative Forschungsansätze und optimierte Nutzung von Daten zu beschleunigen. 

Wir setzen mit diesen drei Forschungsprojekten konsequent den Weg fort, den wir bereits im Rahmen des großen Förderprojekts EHR4CR (getragen von der European Federation of Pharmaceutical Industries and Associations im Rahmen der Innnovative Medicine Initiative) begonnen haben. Hier entstehen Konzepte und Open Source Werkzeuge, die zum Einen der deutschen Forschergemeinde neue Perspektiven für translationale Forschungsprojekte eröffnen, andererseits aber auch Geschäftsmodelle für die mittelständische Industrie aufzeigen können", so Prokosch weiter.

Weitere Informationen erteilen Ihnen gern: 

Prof. Dr. Hans-Ulrich Prokosch, Dr. Martin Sedlmayr und Dr. Thomas Ganslandt, Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg, Lehrstuhl für Medizinische Informatik, Tel.: 09131/85-26720, E-Mail: ulli.prokosch@imi.med.uni-erlangen.de

Danksagung:
  • Cloud4health wird vom BMWi im Rahmen des Schwerpunkts trusted cloud mit 576.137,- Euro gefördert (FKZ 01MD11009)
  • eHealthMonitor wird von der European Commission, grant FP7-ICT-2011 mit 250.127,- Euro gefördert (FP7-ICT-2011-7 Contract 287509)
  • IDRT wird vom BMBF mit 68.396,63 Euro gefördert (01GI1003; MethInfraNet-Projekt)

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