Nach neun begleiteten Musikfestivals ist die Feldphase einer Studie zur Kommunikation im Sanitätsdienst abgeschlossen. Jetzt beginnt am Lehrstuhl für Medizinische Informatik die wissenschaftliche Auswertung.
Medizinische Informatik findet nicht nur im Labor, im Krankenhaus oder vor dem Bildschirm statt. Wer digitale Lösungen für die Gesundheitsversorgung entwickeln möchte, muss auch verstehen, wie Informationen dort ausgetauscht werden, wo Abläufe besonders dynamisch sind und Kommunikation zuverlässig funktionieren muss. Genau hier setzt das Forschungsprojekt SWARM an.
Im Rahmen der Festivalsaison 2026 begleitete das Projektteam den Sanitätsdienst auf neun Musikfestivals in Deutschland, führte 67 Interviews und legte dafür knapp 5.000 Kilometer zurück. Mit dem Abschluss der Feldphase beginnt nun die systematische wissenschaftliche Analyse der erhobenen Daten.
Initiiert und wissenschaftlich geleitet wird SWARM von Jan-Lukas Furmanek, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Medizinische Informatik der FAU. Das Projekt ist Teil seines Promotionsvorhabens zur resilienten medizinischen Krisenkommunikation und verbindet Fragestellungen der Medizinischen Informatik mit konkreten Anforderungen aus Sanitätsdienst, Notfallmanagement und Gefahrenabwehr. Unterstützt wurde die Feldphase von Lena Lauer aus dem Studienbereich Management in der Gefahrenabwehr und Robin Brück aus dem Rettungsingenieurwesen. Beide brachten zusätzliche Perspektiven aus Gefahrenabwehr, Einsatzpraxis und Veranstaltungsumfeld in die Datenerhebung ein.
SWARM steht für „Structured Wireless Asynchronous Resilient Messaging“. Das Projekt untersucht, wie Kommunikation im Sanitätsdienst bei Großveranstaltungen tatsächlich funktioniert und welche Rolle digitale Kommunikationslösungen künftig dabei spielen können.
Große Musikfestivals bieten dafür ein besonderes Forschungsumfeld. Auf teilweise weitläufigen Veranstaltungsgeländen müssen Einsatzkräfte, Sanitätsstationen, Führungsfunktionen und weitere Beteiligte kontinuierlich Informationen austauschen und Ressourcen koordinieren. Dabei treffen Funk, Telefon, persönliche Absprachen, Messenger und digitale Einsatzsysteme aufeinander. Gleichzeitig können hohe Auslastung, viele parallele Vorgänge und zahlreiche organisatorische Schnittstellen die Kommunikation erschweren.
Im Mittelpunkt der Feldstudie stand deshalb das Zusammenspiel dieser Kommunikationsstrukturen. Das Projektteam beobachtete Abläufe vor Ort, erfasste Kommunikationswege und eingesetzte Kanäle und führte Gespräche mit unterschiedlichen Funktionen aus Sanitätsdienst, Einsatzleitung sowie Informations- und Kommunikationstechnik. Untersucht wurde unter anderem, welche Informationen über welche Wege weitergegeben werden, wie verschiedene Kommunikationsmittel zusammenspielen und an welchen Stellen Medienwechsel, Verzögerungen oder unnötige Doppelkommunikation entstehen.
Ziel ist es, auf Grundlage realer Einsatzabläufe besser zu verstehen, welche Anforderungen digitale Kommunikationslösungen erfüllen müssen, wenn sie auch unter hoher Belastung zuverlässig unterstützen sollen.

Neun Festivals, 67 Interviews und knapp 5.000 Kilometer: Eindrücke aus der SWARM Feldphase 2026.
Nach dem Abschluss der Datenerhebung werden die Interviews und Beobachtungen nun strukturiert ausgewertet und die begleiteten Veranstaltungen miteinander verglichen. Dabei sollen wiederkehrende Kommunikationsmuster, funktionierende Strukturen und typische Herausforderungen identifiziert werden.
So erweitert das Projekt den Blick der Medizinischen Informatik auf einen Bereich, in dem Informationsverfügbarkeit, digitale Prozesse und medizinische Versorgung unmittelbar zusammenkommen. Neben klassischen klinischen Anwendungsszenarien rücken damit auch Sanitätsdienst, Großveranstaltungen und Krisensituationen stärker in den Fokus.
Die Ergebnisse der Feldstudie werden in den kommenden Monaten wissenschaftlich ausgewertet und für eine anschließende Publikation aufbereitet.
Ein besonderer Dank gilt allen beteiligten Organisationen sowie den Gesprächspartnerinnen und Gesprächspartnern vor Ort, die Einblicke in ihre Arbeitsabläufe ermöglicht und damit die Durchführung der Feldstudie unterstützt haben.
Kontakt
Jan-Lukas Furmanek, M.Sc.
Wissenschaftlicher Mitarbeiter
Professur für Medical Data Science
Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU)
jan-lukas.furmanek@fau.de
