Seiteninterne Suche

IMI Archiv

Consumer Health Informatics: ein Überblick

Patient empowerment … der Patient, das schwächste Glied in der Kette … die am wenigsten genutzte Ressource in der Gesundheitsversorgung    Schlagworte, die sich um  Consumer Health Informatics (ConsHI)  ranken. Ich verstehe ConsHI als eine Menge neuer Dienste, Rollen und Verantwortlichkeiten, die es dem Patienten ermöglichen, eine aktive Rolle hinsichtlich seiner Gesundheitsversorgung  zu spielen, ohne sich selbst zu gefährden.

ConsHI begegnet uns in den verschiedensten Formen. Neben dem klassischen Gesundheitssystem hat sich ein gigantischer internationaler „Markt“ entwickelt: Klassische Behandlungen mit ergänzendem elektronischem Datenaustausch, rein virtuelle Anbieter, Patienten-Selbsthilfegruppen, und in deren Angeboten blogs, wo Patienten als Ratgeber auftreten. Es verwundert nicht, dass angesichts oft irregeleiteter und vergeblicher Suche sich weder Patienten noch Fachleute ein Urteil über die Qualität von Angeboten oder den Nutzen oder Schaden dieser gesamten Entwicklung zutrauen.

Der Vortrag hat das Ziel, Ordnung in dieses Consumer Health Informatics zu bringen. An ausgewählten Beispielen zeige ich Möglichkeiten und Risiken. Dabei soll einerseits deutlich werden, dass ein großes Potenzial zur Entlastung von finanziell und personell stark belasteten Gesundheitssystemen besteht. Ich weise aber auch auf Probleme und methodische Herausforderungen hin. Zum einen bestehen Konflikte mit gesetzlichen und ethischen Rahmenbedingungen. Zum zweiten ist der Nachweis der Wirksamkeit oder gar Kosteneffizienz nötig, damit ConshI ein etablierter Bestandteil des Gesundheitssystems wird, statt ein Basar zu bleiben. Hierfür sind aber neue Wirksamkeitsnachweis-Methoden nötig, weil die Standardmethode des Randomized Controlled Trials wegen verschiedener ConsHI-spezifischer Bases selten möglich ist.

Thomas Wetter ist Professor für Medizinische Informatik an der Universität Heidelberg, wo er in den Studiengängen Medizinische Informatik (BSc und MSc, zusammen mit Hochschule Heilbronn) und Medizin lehrt. Er ist Sprecher der IMIA (International Medical Informatics Association) Working Group Consumer Health Informatics.  Neben Consumer Health Informatics gehören klinische Entscheidungsunterstützung und neue Paradigmen für die Gestaltung klinischer Software zu seinen Forschungsgebieten.